Was ist das besondere an einem WC Tiefspüler?
Die Form der Toiletten hat sogar schon Philosophen inspiriert, Erkenntnisse über die gesellschaftlichen Eigenheiten der Völker zu sammeln. Ein WC Tiefspüler sagt mehr über seinen Benutzer aus, als man gemeinhin denkt.
Vielleicht war es ein wenig ironisch gemeint, als der Philosoph die verräterischen Eigenheiten der Toiletten miteinander verglich. Doch die Überlegungen sind so klar und deutlich, dass man sie kaum widerlegen kann. Die Formen der Kloschüsseln unterscheiden sich in den europäischen Ländern. Auch wenn der WC Tiefspüler in Deutschland immer beliebter wird, ist die klassische Form im Land der Dichter und Denker die Toilette mit Treppenform. Hier wird der Unrat auf eine Plattform gesetzt, darauf wartend noch einmal begutachtet zu werden. Die Retrospektive selbst der abgelassenen Verdauung ist den Deutschen scheinbar so eigen, dass sie diese sogar auf dem Klo betreiben.
Die französischen Toiletten dagegen bestehen, dem Philosophen zufolge, quasi nur aus einem einfachen Loch im Boden. Es gibt hier keine Möglichkeit den Fäkalien, die man von sich gegeben hat, nachzutrauern. Eine Radikalität für die die französische Politik seit der Revolution bekannt ist. Weg mit dem alten Kram, kurzer Prozess, wie mit der Guillotine. Der WC Tiefspüler, wie er ursprünglich von britischen Klempnern entwickelt wurde, zeigt dagegen deren pragmatisch-ökonomische Haltung. Lass es noch ein wenig fließen!
Diese Dreiteilung der Kloschüsseln spiegelt nach diesem Vortrag zu urteilen, die Verhältnisse in Europa vom neunzehnten bis zum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wieder. Interessant an diesem Vergleich ist vor allem, dass in Deutschland der Tiefspüler seit einigen Jahren immer beliebter wird. Die in sich gekehrte Rückschau, die philosophische Introspektive erfreut sich nicht mehr der vorherigen Beliebtheit. Im gleichen Maße verliert sich auch die Toilettenform, bei der der Kot auf einem Podest aufgebahrt wird, um daran den eigenen Gesundheitszustand kontrollieren zu können. Der Witz an diesem Vergleich besteht darin, zu zeigen, wie sehr wir in unseren Ideologien verfangen sind. Auch in der heutigen vorurteilsfreien Welt scheinen die alten Klischees noch zu funktionieren. Man denkt, man ist frei von jeder Ideologie, doch sobald man die Klospülung betätigt hat, steckt man schon wieder mittendrin.
04.05.2010